Warum es grundsätzlich richtig ist, LSBTIQ* zu fördern.

Gewalt- und diskriminierungsfrei in Niedersachsen, Deutschland und Europa zu leben, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Für Menschen mit Merkmalen aus den queeren Kategorien gilt dies in überdurchschnittlich hohem Maß nicht. Dagegen helfen nicht typische Maßnahmen im Bereich der Polizeiarbeit oder der Gewaltprävention, sondern langfristige, durchaus mühsame, weil oft erst mittelfristig wirkende Maßnahmen:

  • Die Allgemeinbevölkerung nachträglich und die nächsten Generationen frühzeitig bilden.
  • Die Resilienz bei den Menschen aus den Minderheiten erhöhen.
  • Die alltägliche Wahrnehmbarkeit queerer Menschen steigern.

Es ist grundsätzlich richtig, LSBTIQ* zu fördern, …

...weil zwischen dem Abbau rechtlicher Diskriminierung und der gesellschaftlichen Realität noch Welten liegen.

Beratung, Begleitung, soziokulturelle Angebote sind „auf dem queeren Auge“ häufig blind. Kein Wunder, blicken wir auf eine Ausgrenzungs-Selbst­ver­ständ­lich­keit vergangener Jahrzehnte zurück.

Im Bereich sexueller Orien­tierungen wurde erst am 30. Juni 2017 mit der Eheöffnung ein legislativer Meilen­stein erreicht. Die rechtliche Gleichstellung ersetzt nicht die Bearbeitung der inhaltlichen Bedarfe in den Themenfeldern von Arbeitswelt über Gesundheit bis Sichtbarkeit. Ehrenamtlich waren vor allem soziokulturelle Treffpunkte und Veranstaltungen realisierbar. Professionalisierung hat in Niedersachsen neben der bundesweit durchstrukturierten HIV-Prävention für die Zielgruppe MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) bislang nur im Bereich der Erwachsenenbildung stattgefunden.

Im Themenfelder der geschlechtlichen Identitäten befindet sich die gesellschaftliche und politische Entwicklung vergleichsweise in einem Frühstadium. Hier herrschen Vorurteile, Unwissen und (zum Teil gewalttätige) Ablehnung vor. Insofern bleibt der Betrieb und Ausbau von Parallel-Strukturen als „Safe Spaces“ und inhaltlich kompetenten, von den Zielgruppen akzeptierten Angeboten noch für eine Weile „State oft the Art“. Außerdem fehlt es diesen Zielgruppen einer den schwulen, bisexuellen oder lesbischen Emanzipationsbewegung vergleichbare Vorgeschichte, die zumindest zu einer mehrheitlich ehrenamtlich getragenen Basis-Infrastruktur führte.

Mittel- bis langfristig wird es eine selbstverständliche Integration in die Regel­strukturen der Allgemeinheit geben.

Die Jahre 2017 und 2018 waren und sind ein wichtiger, spürbarer Auftakt für eine dauerhafte, positive Veränderung der Situation der Menschen aus/in der LSBTIQ*-Sphäre. Die Fortführung jener Modellprojekte, die sich in diesem Zeitraum bewährt haben oder in eine zweite Modellphase überführt werden sollten, ist unabdingbar, wenn die Investition nicht verpuffen soll.

...weil es um politische Selbstverständlichkeiten geht!

Deutschland hat die UN-Menschenrechtskonvention ratifiziert, lässt diesen beispielsweise bei der medikamentösen oder operativen Behandlung von intergeschlechtlichen Menschen aber noch nicht die entsprechenden Taten folgen. Im Modellprojekt der aufsuchenden inter-Beratung für Familien werden beispielsweise erstmals echte, substanzielle Verbesserungen für intergeschlechtliche Kinder und ihre Eltern erreicht. Hier geht in besonderem Maß auch um Kinderrechte und das Kindeswohl.

Der Beschluss des EU-Parlaments vom 18. Januar 2006 „(…) zu Homophobie in Europa“ fordert die Mitgliedsstaaten auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. In Niedersachsen wird aktuell das dafür notwendige Fundament geschaffen.

Mit der Gesetzesänderung zur Eheöffnung ist das Ziel „Abbau der Homophobie“ im gesellschaftlichen Kontext längst nicht erreicht. Diese rechtliche Gleichbehandlung von Partnerschaften war überfällig und wird sich sicherlich im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte auf den gesellschaftlichen Frieden auswirken. Aktuell ist eher das Gegenteil zu beobachten: neue Initiativen, die dieses Recht wieder aberkennen wollen bis hin zur rechten Hetze sind zu beobachten.

Das Signal des Landes Niedersachsen, sich hinter die queere Community zu stellen, ist umso wichtiger und wertvoller.

...weil die Fördermaßnahmen in Niedersachsen wirken!

Mit der Entscheidung für die Fördermittel 2017/18 hat Niedersachsen bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen, weit über das Maß hinaus, wie sie im Stadtstaat Berlin und im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen bislang auf dem Weg gebracht wurden.

Mit dem QNN und den darin verbundenen Vereinen in den Städten und Regionen greift das Land dabei auf ein Kompetenznetzwerk zurück, das für die inhaltliche Verantwortung gerüstet ist. Am Besten kennen sich doch die Menschen vor Ort aus.

Mit den Landesmitteln werden nun landesweit konkrete, nützliche und notwendige Angebote vor Ort realisiert  – Menschen im ländlichen Raum profitieren dabei in besonderem Maß von der Landtags-Entscheidung 2016. Endlich wird queeres Leben im Flächenland Niedersachsen auch außerhalb der Großstädte unterstützt und mit erreichbaren Infrastrukturen ausgestattet.