Worum geht es hier?

Rund 7,8 Millionen Menschen leben in Niedersachsen. Angenommen, die Statistik der Dalia-Studie von 2016 zum queeren Bevölkerungsanteil in Deutschland ist repräsentativ, dann sind 550.000 bis 600.000 Menschen in Niedersachsen queer. Das heißt, sie leben, sind oder empfinden sich lesbisch, schwul, bisexuell, trans* oder intergeschlechtlich. (Kurz gesagt.)

Sie alle leben so vielfältig, wie es Menschen nun mal tun. Überall. Eigentlich keine große Sache, möchte man meinen… Die Realität ist aber noch(!) eine andere: ein Teil von ihnen macht Ausgrenzungserfahrungen, an denen sie wachsen oder verzweifeln können. Andere werden durch Gesetze oder Verordnungen ausgebremst in ihrer Selbstbestimmung oder treffen im Gesundheitssystem auf behindernde bis entwürdigende Strukturen. Immer noch selten werden queere Menschen „mitgedacht“ im Handeln der öffentlichen Hand, im Alltag, in der Medizin.

Wir – als Gesellschaft, Mitmenschen, politisch Entscheidende – können diese Situation aktiv verbessern. Damit auch in den nächsten Generationen die gesellschaftliche und innerfamiliäre Akzeptanz zunimmt. Damit die Auswirkungen von Diskriminierung und Unsichtbarkeit reduziert werden, bis sie ganz verschwinden.

In Niedersachsen werden in diesem Sinne schon lange Maßnahmen aus Landesmitteln gefördert, die diese Entwicklungen unterstützen. Seit 2017 ist Niedersachsen dabei sogar bundesweit Tabellenführer geworden! Wie es dazu kam? In den Jahren zuvor sind in einem landesweiten Beteiligungsverfahren Bedarfe ermittelt und Handlungsempfehlungen davon abgeleitet worden. Der Landtag hat Ende 2016 auf dieser Grundlage beschlossen, im Doppelhaushalt 2017/18 Mittel zur Verfügung zu stellen, um damit anzufangen, die wichtigsten der 74 Handlungsempfehlungen umzusetzen. Dies geschieht nun seit Januar 2017 in Modellprojekten, durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und Professionalisierung der bislang fast ausschließlich ehrenamtlich errichteten queeren Strukturen.

Bis Ende 2018 konnte der Landtag seinerzeit planen. Wie wird die Arbeit darüber hinaus fortgeführt? Wir wollen – insbesondere Landtagsabgeordnete* – über die Hintergründe und (Zwischen-)Ergebnisse informieren, für die queeren Bedarfe sensibilisieren und zu einer guten Entscheidungsgrundlage beitragen. Spätestens im Dezember 2018 wird die Entscheidung mit der Verabschiedung des Haushalts für 2019 getroffen. Warum es sinnvoll ist, das nicht bis dahin auf die lange Bank zu schieben, beschreiben wir auf den folgenden Seiten.

Wir, das ist das Team im QNN – Queeres Netzwerk Niedersachsen. Wir sind seit 1992 Koordinierungsstelle des Landes für die Vergabe der Fördermittel in diesem Bereich. Das QNN ist Landesnetzwerk und Ansprechpartner*in für Institutionen, Behörden und andere Vereine und Verbände, wenn es um LSBTIQ*-Themen geht. (LSBTIQ* = lesbisch, schwul, bi, trans*, inter, queer und noch ein bisschen mehr.)